Ausbildung Verfahrensbeistand gemäß FamFG

  • berufsbegleitend
  • 10 Monate
  • Zertifikat der Steinbeis + Akademie an der Steinbeis-Hochschule
  • 1.990,00 €

Was macht ein Verfahrensbeistand?

Wenn Stefan A. vom Familiengericht als Verfahrensbeistand bestellt wird, geht es oft um strittige Umgangs- oder Sorgerechtsfragen. Damit bei einem Rechtsstreit zwischen den Eltern die Interessen des betroffenen Kindes nicht aus dem Blick geraten, wird von Rechts wegen ein Verfahrensbeistand eingesetzt. Dieser vertritt die kindlichen Belange vor Gericht. Stefan A. ist es besonders wichtig, das Kind in seiner gewohnten Umgebung kennen zu lernen und zu erfahren, welche Lösung es sich selbst wünscht. Zum Gespräch nimmt Herr A. dann auch schon mal Playmobilfiguren oder ein Spielzeugauto mit. Außerdem spricht er immer mit beiden Elternteilen und bringt ihnen die Perspektive ihres Kindes nahe. Im besten Fall kann er so als Verfahrensbeistand an einer einvernehmlichen Lösung des Konflikts mitwirken.

Verfahrensbeistand
Ausbildung Verfahrensbeistand ©Foto:fotolia.com/alexsokolov

Wer kann als Verfahrensbeistand arbeiten und wie erfolgt die Vergütung?

Die Bestellung zum Verfahrensbeistand erfolgt über das Familiengericht. Die berufsmäßige Tätigkeit wird über Fallpauschalen vergütet. Das Gericht erwartet eine juristische, psychologische oder (sozial-) pädagogische Grundausbildung sowie eine spezifische Zusatzqualifizierung. Die Zugangsvoraussetzungen für unsere Ausbildung orientieren sich daran.

 

Was zeichnet unsere Weiterbildung zum Verfahrensbeistand aus?

Unsere interdisziplinär ausgerichtete Weiterbildung zum Verfahrensbeistand ist als eine von wenigen in Deutschland anerkannt durch den BVEB e.V. Diese Anerkennung wird aufgrund der Ausbildungsinhalte und –dauer von immer mehr Familiengerichten nachgefragt und sichert gleichzeitig die Qualität der Arbeit des Verfahrensbeistands.

Im Mittelpunkt unserer Weiterbildung stehen:

  • juristische Grundlagen,
  • entwicklungspsychologische Grundlagen,
  • sozialpädagogisches Wissen sowie
  • die Vermittlung von Methodenkompetenz.

Unsere Referenten kommen aus der familiengerichtlichen Praxis und sind u.a. als Verfahrensbeistand, Sachverständiger oder Psychologe tätig. Sie haben viel Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Familien.

Unser Anspruch ist es, Verfahrensbeistände auszubilden, die das Kind und seine Interessen in den Mittelpunkt stellen und die sicher agieren können durch Rollenklarheit, Methodenkompetenz und ein professionelles Selbstverständnis.

Zugangsvoraussetzungen
  • Hochschulabschluss im juristischen, pädagogischen oder psychosozialen Bereich + Berufserfahrung oder
  • Berufsabschluss im juristischen, pädagogischen oder psychosozialen Bereich + einschlägige Berufserfahrung von mind. 3 Jahren.
  • Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses nicht älter als zwei Monate vor Ausbildungsbeginn.
Zielgruppe (m/w)

Mitarbeiter von Beratungsstellen und Jugendämtern, Sozialarbeiter, Rechtsanwälte, Vormünder, Familienmediatoren, Psychologen, Rechtliche Betreuer

Umfang und Lerninhalte

Unsere Ausbildung findet berufsbegleitend statt und ist modular aufgebaut. Die vermittelten Kenntnisse werden anhand praktischer Übungen und Rollenspiele vertieft. Die Gesamtausbildung umfasst 300 Stunden, wovon 152 Stunden als Präsenzveranstaltung vor Ort absolviert werden.

Modulinhalte
Modul 1: Das familiengerichtliche Verfahren – Rechtsgrundlagen und professionelle Angebote gemäß FamFG
  • Juristische Grundlagen des FamFG: Grundentscheidungen und Grundprinzipien
  • Professionelle Angebote nach dem FamFG im Überblick: Informationen, Beratung, Mediation
  • Grundlagen der Verfahrensbeistandschaft gemäß §§ 158, 167, 174 und 191 FamFG
  • Überblick über das Verfahren in Kindschaftssachen gemäß § 152, §§ 159 ff., §§ 155 ff., §§ 165 f. FamFG
  • Umgang mit Vertraulichkeit, Freiwilligkeit / Arbeiten im Zwangskontext
  • Kooperation mit sozialen Institutionen und Akteuren
Modul 2: Der Anwalt des Kindes - Arbeit des Verfahrensbeistands nach §§158 und 167 FamFG
  • Funktion und Aufgaben
  • Vorgehensweise, Rechte und Pflichten
  • Unabhängigkeit gegenüber den Verfahrensbeteiligten
  • Berufsrolle und Berufsethik, Abgrenzung zur Beratung und zur Mediation
  • Abgrenzung zur Arbeit als Umgangspfleger und Ergänzungspfleger
  • Kooperation mit den Trägern der Kinder- und Jugendhilfe
  • Schweigepflicht und Parteilichkeit
Modul 3: Kindschaftsrecht, Umgangsrecht / Sorgerecht, Kinder- und Jugendhilfe
  • Grundlagen des Kindschaftsrechts
  • Umgangsrecht / Sorgerecht
  • Verfahren wegen Kindeswohlgefährdung nach §1666 BGB
  • Mit Freiheitsentziehung verbundene Unterbringung nach §1631 BGB
  • HKÜ-Verfahren
  • Kinder- und Jugendhilfe gemäß SGB VIII
  • Rechtsfragen bei Betreuungsalternativen für Kinder nach Trennung und Scheidung
Modul 4: Kinder in Krisen verstehen - Grundlagen der Entwicklungspsychologie
  • Entwicklungspsychologische Grundkenntnisse und Grundlagen der Bindungstheorie
  • Kommunikation mit Kindern in Krisensituationen
  • Umgang mit traumatisierten Kindern (streitiges Umgangs- und / oder Sorgerecht, Vernachlässigung, Misshandlung, sexueller Missbrauch, Fremdplatzierung, Adoption, freiheitsentziehende Maßnahmen)
  • Besonderheiten der Situation von Pflegekindern (Umgang mit der Herkunftsfamilie, Rückführung)
  • Kindliche Suggestibilität, Verzerrungseinflüsse
  • Umgang mit psychologischen Gutachten
  • Kindeswohl und Kindeswille
  • Praxisfälle
Modul 5: Die Kunst des Fragens – Elterngespräch und Vorbereitung einer einvernehmlichen Regelung
  • Grundlagen der Kommunikation und Kommunikationstechniken: Paraphrasieren, Verbalisieren, Reframing, verbale und nonverbale Kommunikation
  • Grundlagen des verstehenden Fragens
  • Fragetechniken zur Gesprächssteuerung
  • Reflexion eigenen Konfliktverhaltens
  • Führen von Elterngesprächen und Vorbereitung von Elternvereinbarungen
  • Praxisfälle
Modul 6: Elternkonflikte bei Trennung /Scheidung – Kinder unterstützen und beteiligen
  • Phasen bei Trennung und Scheidung
  • Umgang mit Ambivalenzen bei den Eltern
  • Elternkonflikte bei Trennung/Scheidung – 3-Stufen-Modell
  • Unterschiedliche Konfliktdynamiken
  • Hochstrittige Elternkonflikte: Merkmale, Interventionsmöglichkeiten und Grenzen der Konfliktarbeit bei Hochstrittigkeit
  • Belastung von Kindern bei Elternkonflikten
  • Verarbeitung und Folgen von Elternkonflikten
  • Ambivalenzen bei Kindern: Kinder lieben beide Eltern – kann es da einen klaren „Willen“ geben?
  • Einflüsse auf die Haltung/den Willen der Kinder; Mechanismen der Entfremdung
  • Gespräche mit Eltern zur Situation des Kindes/des/der Jugendlichen
  • Gespräche mit Kindern / Jugendlichen
  • Beteiligung von Kindern / Jugendlichen
  • Aspekte der Kooperation der beteiligten Professionen
  • Praxisfälle
Modul 7: Betreuungsmodelle für Kinder nach Trennung und Scheidung
  • Gestaltung des Umgangs nach Trennung bzw. Scheidung im Sinne des Kindes
  • Betreuungsmodelle im Vergleich: Residenzmodell (z.B. Besuche beim anderen Elternteil am Wochenende / in den Ferien) vs. Wechselmodell (alternierende Obhut / Paritätische Doppelresidenz)
  • Nestmodell als besondere Form des Wechselmodells
  • Voraussetzungen und Kontraindikationen der Betreuungsalternativen
  • Stand der empirischen Forschung zu den Folgen aus psychologischer Sicht
  • Rechtliche Grundlagen und Folgen der Betreuungsregelungen
  • Praxisfälle
  • Prüfungskolloquium
Modul 8: Arbeitspraxis des Verfahrensbeistands – Methodeneinübung
  • Aktenstudium und Fallverstehen
  • Kontaktaufnahme zum Kind, zu Eltern/Pflegeeltern, Jugendamt, Sachverständigen am Fallbeispiel
  • Kommunikation mit dem Kind, Verhaltens- und Interaktionsbeobachtung
  • Aufbau einer Stellungnahme
  • Vertretungspraktiken
  • Dokumentation
  • Abrechnung / Steuerfragen
  • Fallarbeit an konkreten Problemlagen der Kinder: Entzug der elterlichen Sorge / Wegnahme von Pflegeeltern und Umgangsberechtigten / Adoption / geschlossene Unterbringung von Kindern
  • Fallbearbeitung der TeilnehmerInnen
Modul 9: Prüfungskolloquium

Prüfungskolloquium

Leistungsnachweise und Abschlussprüfung
  • Anwesenheit von mindestens 90% der Ausbildungsstunden
  • Fallbearbeitung
  • Intervisionsnachweis
  • schriftliche Projektstudienarbeit, Umfang: 20 Seiten
  • Abschlusskolloquium zur Projektstudienarbeit (20 min Referat zzgl. Diskussion)
Abschluss

Im Erfolgsfall schließt die Ausbildung mit der Erteilung eines Zertifikats der Steinbeis + Akademie an der Steinbeis-Hochschule „Verfahrensbeistand gemäß FamFG (Steinbeis)“, sowie Trägerzertifikat mit BVEB-Anerkennung ab.

Alle Veranstaltungen Verfahrensbeistand

November 2019
Anmeldung
14.11.2019 bis 16.11.2019
Das familiengerichtliche Verfahren - Rechtsgrundlagen und professionelle Angebote gemäß FamFG (Kerstin Will)
mit RAin Kerstin Will
Weitere Informationen zur Veranstaltung (PDF)
Anmeldung
14.11.2019 bis 13.06.2020
5. Ausbildung zum Verfahrensbeistand (m/w) gemäß FamFG
anerkannte Weiterbildung des BVEB e.V.
Weitere Informationen zur Veranstaltung (PDF)
Anmeldung
14.11.2019 bis 15.02.2020
Grundkurs Verfahrensbeistandschaft gemäß FamFG
Grundlagenweiterbildung in 4 Modulen
Weitere Informationen zur Veranstaltung (PDF)
Dezember 2019
Anmeldung
13.12.2019 bis 14.12.2019
Der Anwalt des Kindes - Arbeit des Verfahrensbeistands nach §§158 und 167 FamFG
mit Dipl.-Soz.päd. Caroline Domnick
Weitere Informationen zur Veranstaltung (PDF)
Januar 2020
Anmeldung
17.01.2020 bis 18.01.2020
Kindschaftsrecht, Umgangsrecht / Sorgerecht, Kinder- und Jugendhilfe (Kerstin Will)
mit RAin Kerstin Will
Weitere Informationen zur Veranstaltung (PDF)
März 2020
Anmeldung
20.03.2020 bis 21.03.2020
Die Kunst des Fragens – Elterngespräch und Vorbereitung einer einvernehmlichen Regelung
mit Dipl.-Psych. Cordula Söfftge
Weitere Informationen zur Veranstaltung (PDF)
April 2020
Anmeldung
16.04.2020 bis 18.04.2020
Elternkonflikte bei Trennung / Scheidung – Kinder unterstützen und beteiligen
mit Dipl.-Psych. Matthias Weber
Weitere Informationen zur Veranstaltung (PDF)
Juni 2020
Anmeldung
11.06.2020
Arbeitspraxis des Verfahrensbeistands - Methodeneinübung
mit Dipl.-Soz.päd. und Verfahrensbeiständin Caroline Domnick
Weitere Informationen zur Veranstaltung (PDF)