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Führen im Zeitalter der KI – Change-Management als Erfolgsfaktor
Künstliche Intelligenz (KI) verändert Unternehmen tiefgreifend. Nicht nur Geschäftsmodelle, Prozesse und Produkte werden digital transformiert – auch die Art, wie geführt, gelernt und gearbeitet wird, steht auf dem Prüfstand. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) stehen unter Druck: Sie müssen Innovationen schneller umsetzen, mit begrenzten Ressourcen Schritt halten und gleichzeitig ihre Mitarbeitenden durch den Wandel begleiten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei nicht allein in Technologie – sondern im klugen Change-Management.
Text von: Markus Jenisch
1. Innovationsgeschwindigkeit verlangt organisatorische Reife
Die Geschwindigkeit, mit der neue KI-Technologien marktreif werden, ist beispiellos. Wer heute noch plant, setzt morgen schon veraltet um. Unternehmen müssen sich darauf einstellen, in kürzeren Zyklen zu denken, zu lernen und zu handeln. Gerade KMU sollten vermeiden, jahrelange Digitalisierungsstrategien zu entwickeln – und stattdessen auf agile, iterative Ansätze setzen. Frühzeitige Pilotprojekte mit klar definiertem Nutzen sind oft wirkungsvoller als langfristige Masterpläne.
2. Menschliche Anpassungsfähigkeit ist ein unterschätzter Erfolgsfaktor
Trotz aller Technologiedebatten: Es sind die Menschen, die Wandel umsetzen – nicht die
Maschinen. Die Fähigkeit des Menschen, sich neuen Bedingungen anzupassen, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen, ist individuell sehr unterschiedlich. Entscheidend ist, ob die Veränderungsbereitschaft durch Führung gefördert oder gehemmt wird. Führungskräfte sollten gezielt Weiterentwicklung ermöglichen, Mitarbeitende aktiv einbinden und psychologische Sicherheit schaffen.
3. Fehlerkultur: Ohne Risiko kein Fortschritt
Innovationen erfordern Mut – und Mut bedeutet auch, Fehler zuzulassen. Eine konstruktive Fehlerkultur ist essenziell, damit Mitarbeitende Experimente wagen, Prototypen testen und aus Rückschlägen lernen. In vielen Unternehmen herrscht noch ein implizites „Null-Fehler-Denken“, das Innovationsdruck erzeugt. Führungskräfte sind hier besonders gefragt: Sie müssen vorleben, dass Irrtümer keine Schwäche, sondern notwendige Lernschritte auf dem Weg zu neuen Innovationen sind.
4. Agile Führung: Klarheit im Wandel geben
Klassische Hierarchien stoßen bei KI-Einführungen oft an ihre Grenzen. Agile
Organisationsformen – etwa durch cross-funktionale Teams oder OKRs (Objectives & Key Results) – ermöglichen schnellere Reaktionen, flexiblere Rollenverteilung und stärkere Kundenzentrierung. Agile Führung bedeutet dabei nicht Beliebigkeit, sondern:
klare Visionen, offene Kommunikation, schnelle Entscheidungswege und Vertrauen in die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden.
5. Konkrete Empfehlungen für den Mittelstand
Gerade KMU, die weder eigene KI-Abteilungen noch große IT-Budgets haben, brauchen
pragmatische Lösungen:
- Klein starten: Beginnen Sie mit einem klar abgegrenzten Use Case, z. B. automatisierte Angebotskalkulation oder Chatbots im Kundenservice.
- Mitarbeitende einbinden: Bieten Sie niedrigschwellige Schulungen und interdisziplinäre Workshops an, damit Teams selbstständig Anwendungsfälle identifizieren können.
- Externes Know-how nutzen: Kooperieren Sie mit Start-ups, Hochschulen, Innovationszentren oder wenden sich an Experten, die Sie dabei begleiten.
- Förderprogramme prüfen: In Deutschland gibt es zahlreiche Fördermittel für KI-Projekte, die ggf. auch auf Ihre Innovationsideen passen könnten.
- Change-Kompetenz aufbauen: Investieren Sie nicht nur in Technik, sondern auch in Führungskräftetrainings zu Change-Management, Kommunikation und agiler Steuerung.
Fazit: Führung im Wandel – mit Mensch und Maschine
Künstliche Intelligenz ist ein Beschleuniger für Transformationen – aber kein Selbstläufer. Erfolgreiche Unternehmen sind nicht die mit den fortschrittlichsten Algorithmen, sondern jene, die es schaffen, Menschen, Strukturen und Kultur mitzunehmen. Der Wandel zur KI-Nutzung ist keine technische Herausforderung allein, sondern auch eine Führungsaufgabe. Mit klarer Kommunikation, Mut zur Veränderung, agiler Steuerung und echter Lernbereitschaft kann auch der Mittelstand zum Gewinner der KI-Revolution werden.
Über den Autor Markus Jenisch:
Wir bedanken uns bei Markus Jenisch für die Bereitstellung seines Beitrages. Markus Jenisch ist Business Coach, Wirtschaftsmediator und Diplom-Ingenieur. Er bietet regelmäßig Workshops zu den Themen KI und Changemanagement unter anderem bei unseren Leipziger und Stuttgarter Mediationsforen an. Veröffentlicht wurde der Beitrag in der Online-Ausgabe des Magazin Wirtschaft der IHK im Juli/August 2025.
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