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Der systemische Blick

von Prof. Dr. Gernot Barth

Systemtheoretische Betrachtungen sind aktuell wohl allen Wissenschaften inhärent, sei es den Finanzwissenschaften, der Ökologie, der Biologie oder auch den Gesellschaftswissenschaften.  Systemisch arbeiten, denken und Probleme bearbeiten ist seit Jahrzehnten in allen Beratungskontexten zunehmend üblich. Im allgemeinsten Sinne ist der Bezugspunkt die Kommunikation. Kommunikation schließt als weiter Begriff das Verhalten ein. Paul Watzlawick formulierte, „man kann nicht nicht kommunizieren“; man könnte auch sagen, „man kann sich nicht nicht verhalten“. Der Blick auf die Muster der darin zutage tretenden Beziehungen ermöglicht eine Veränderung von Kommunikation/Verhalten – sofern dies von den Individuen gewünscht ist. Letztlich sind sie die Experten für die Lösung ihrer Probleme.

Und damit sind wir auch schon bei der Mediation. Ein zentrales Grundprinzip ist die Eigenverantwortung der Konfliktparteien, die sich nicht einem Dritten ausliefern, sondern im Sinne von Selbststeuerung und Selbstorganisation (Autopoiesis) die Inhalte des Prozesses wie auch das Ergebnis bestimmen. Insofern wage ich die These, dass die des Öfteren vorzufindende Kombination „Systemische Mediation“ eine Tautologie darstellt. Mediative Konfliktbearbeitung arbeitet mit systemischen Prämissen.

So geht es zum Beispiel weniger darum, wer schuld ist, wer recht hat, was richtig und was falsch ist, sondern eher darum, was nützlich für die Streitparteien ist. Der systemische Blick beschäftigt sich weniger damit, wie etwas geworden ist wie es ist, weniger mit Erklärungen und Vergangenheitsorientierungen, dafür aber mehr mit dem Hier und Jetzt und damit, wie die Zukunft gestaltet werden sollte. Auf der Basis von herausgearbeiteten Anliegen, Interessen und Bedürfnissen der Personen suchen die Streitparteien Ressourcen zu deren Realisierung in der Zukunft. Hier gibt es nicht eindeutig eine Lösung, sondern Wahlmöglichkeiten (Viele     Wege     führen nach Rom!). Lassen Sie sich durch meine Worte anregen, vielleicht auch einmal andere Wege zu gehen.

Mehr zum Systemischen Ansatz in der Konfliktberatung lesen Sie auch in Die Mediation, unser Fachmagazin für Konfliktlösung - Entscheidungsfindung - Kommunikation, Ausgabe Quartal IV/2017.

 

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